Leipziger Internetzeitung, 14.05.2020

… Jedenfalls hört mit diesem handfesten Buch die kleine, schmucke Innenstadt auf, einfach nur Kulisse für die üblichen Stadtbilderklärungen zu sein. Die Häuser werden zu Orten, an denen wirklich etwas geschehen ist. Die Namen auf den vielen Erinnerungstafeln werden mit realen Ereignissen verknüpft, grausamen, bedenkenswerten, historischen oder schlicht immer wieder gern erzählten – wie das Drama von Clara und Robert mit dem erzürnten Vater Wieck.
Große und kleine Ganoven treten auf. Aber auch etliche schäkernde Damen im Goldhahngässchen, diebische Museumsmitarbeiter, verunglückte Musikanten und ein pleite gegangener Casanova, dessen Ruhm erst ein Leipziger Verleger zum Blühen brachte, der mit geübtem Auge den Wert der frivolen Tagebücher erkannte.
Wenn nichts passieren würde, gäbe es ja keinen Stoff für gute Bücher. Selbst das überfällige Verbot der Leipziger Lerchenjagd wurde zur Geschichte, die man heute beim Konditor kaufen kann. Eigentlich eine sehr typische Leipziger Geschichte: Man lässt den Kopf nicht hängen, sondern macht was draus. Selbst aus einem so völlig anders gemeinten Spruch wie Froschs „Mein Leipzig lob‘ ich mir …“.
Denn was andere über einen erzählen, das kann man immer auch ein bisschen beeinflussen. Und clevere Touristen nehmen sich künftig lieber diesen Band mit lauter knackigen Geschichten über die Stadt, der nun einmal erlebbar macht, dass Leipzig alles mögliche ist – nur nicht langweilig.

Ralf Julke