Herrscherurkunden für Empfänger in Lotharingien, Oberitalien und Sachsen (9.–12. Jahrhundert)

I diplomi dei sovrani per i destinatari in Lotaringia, Italia settentrionale e Sassonia (secoli IX–XII)

(ITALIA REGIA 2)

[Hgg.:
Wolfgang Huschner/ Theo Kölzer/ Marie Ulrike Jaros]

89,00 

Die unterschiedlichen Interpretationen der Herrscherurkunden in der jüngeren diplomatischen und historischen Forschung, vor allem bezüglich der Relationen zwischen ihrem Rechtsinhalt und ihrer Bedeutung für die Kommunikation zwischen den regionalen Großen und den Herrschern, sowie das noch lange nicht erschöpfte Erkenntnispotenzial dieser Quellenart erfordern die Fortsetzung diplomatischer Grundlagenforschungen. Qualitative Fortschritte bzw. methodische Veränderungen bei den diplomatischen Untersuchungen haben meist neue oder modifizierte historische, kunst-, kultur- oder sozialgeschichtliche Interpretationen zur Folge. Herrscherurkunden waren Ergebnisse von Verhandlungen zwischen der Empfänger- und der Ausstellerseite, an denen auch Vermittler beteiligt sein konnten. Die Interessen dieser drei Kommunikations- und Verhandlungspartner sollten bei den Diplomuntersuchungen berücksichtigt werden. Entsprechend der methodischen Ausrichtung der Reihe galt den Perspektiven der Empfänger und der Vermittler die besondere Aufmerksamkeit.

Drei Hauptfragen standen bei den diplomatischen Untersuchungen im Mittelpunkt:
1. Welche Entstehungsstufen und Merkmale spiegeln den zwei- bzw. dreiseitigen Verhandlungsprozess bzw. den Vertragscharakter der Diplome wider?
2. Welche Funktionen sollten die Diplome in der Zeit ihrer Entstehung erfüllen?
3. Wie ist die Relevanz der äußeren und inneren Merkmale im Hinblick auf die verschiedenen Funktionen der Diplome zu beurteilen?

Um diese Fragen zu beantworten, wurden nach dem Vorbild von Michael Thomas Clanchy verschiedene Stadien in der „Biographie“ der Königs- bzw. Kaiserurkunden in den Blick genommen: einerseits ihre Entstehung bzw. Vorgeschichte und andererseits ihr gegenwartsbezogenes Bedeutungsspektrum zu Lebzeiten von Aussteller, Empfänger und Vermittler. Das erforderte die Einbeziehung von früher und parallel ausgestellten Urkunden verschiedener Arten und Aussteller, die direkt oder indirekt mit dem jeweiligen Diplom inhaltlich oder graphisch verbunden waren. Dafür sollten die Originale, die verschiedenen Vorurkunden (Herrscher-, Gerichts-, Papsturkunden, Urkunden anderer Aussteller) sowie Parallelüberlieferungen (z.B. Doppelausfertigungen für einen Empfänger, Diplome für verschiedene an einer Vereinbarung beteiligte Empfänger) herangezogen werden. Dazu kamen Abschriften der Originale in verschiedenen Formen (imitierende Kopien verschiedener Grade, Gerichtsurkunden, notarielle Kopien, „einfache“ Abschriften auf separaten Pergamenten). Um dem aktuellen Bedeutungsspektrum der Diplome nachzuspüren, sollte deren Entstehung in unterschiedlichen politischen Konstellationen der Herrschaftsverbände bzw. in verschiedenen Situationen auf der Aussteller- und der Empfängerseite analysiert werden.

Inhalt:

Herrscherurkunden für Empfänger in Lotharingien
Benoît-Michel Tock: Les diplômes royaux et impériaux pour l’église de Cambrai du VIIIe au XIIe siècle
Alexis Wilkin: Les diplômes reçus par l’église de Liège, IXe–XIIe siècles
Francesco Roberg: Herrscherurkunden für Trier und Trierer Fälschungen. Eine Bestandsaufnahme. Mit einem philologisch-diplomatischen Exkurs zu DD Zw. 20–21
Joachim Dahlhaus: Die Herrscherurkunden für die bischöflichen Kirchen von Metz und Toul, 751–1197
Theo Kölzer: Die Herrscherurkunden für das Kloster St. Maximin (9.–12. Jahrhundert)
Andrea Stieldorf: Urkunden als Waffen? Zur Rechtsstellung des Klosters Oeren in Trier
Michel Margue: In ditione et mundiburdio imperii. Herrscherurkunden für das Kloster Echternach zwischen Tradition und Reform
Tobias Weller: Diplome für weltliche Empfänger in Lothringen – eine Skizze

Herrscherurkunden für Empfänger in Oberitalien
Reinhard Härtel: Herrscherurkunden für das Patriarchat Aquileia: Wann? Wozu?
Antonella Ghignoli: Diplomi dei Salii per la Chiesa arcivescovile di Ravenna e critica del testo nel lavoro dello storico
Karina Viehmann: sibi et ecclesiae suae. Herrscherurkunden für Parma 877–962
François Bougard: Les diplômes des fonds ecclésiastiques de Plaisance
Marie Ulrike Jaros: Bischöfliche Schenkungen und eine „imitazione brutta“. Das Diplom Berengars I. †8 im Kontext der urkundlichen Überlieferung für die Canonica Sanctae Mariae von Reggio Emilia
Michele Ansani: Diplomi per S. Salvatore di Pavia
Sebastian Roebert: Herrschaftsverhältnisse im Spiegel der Urkunden. Die Diplome des 9. und 10. Jahrhunderts für Santa Maria Theodota zu Pavia
Nicolangelo D’Acunto: Diplomi regi e imperiali per il monastero di S. Ambrogio di Milano
Cristina Mantegna: San Sisto di Piacenza e i suoi diplomi: riflessioni sulla documentazione pubblica di età carolingia
Paolo Cammarosano: Diplome für weltliche Empfänger in Oberitalien und der Toskana, 850–1013

Herrscherurkunden für Empfänger in Sachsen
Thomas Vogtherr: Die Diplome des 9.–12. Jahrhunderts für die bischöfliche Kirche von Halberstadt
Wolfgang Huschner: Salische Originaldiplome für Merseburger Empfänger
Claudia Krahnert: Der Einfluss der Stifterfamilien religiöser Frauenkommunitäten im Spiegel der Urkunden. Die Bestimmungen zur Äbtissinnenwahl und zur Vogtei in den Urkunden der Klöster Quedlinburg, Gandersheim und Drübeck im Vergleich
Karl Heinrich Krüger: Das D F. I. 11 von 1152 als Magna Charta. Zur Entwicklung der Corveyer Immunitätsurkunden
Ingrid Würth: Pro statu eciam et incolomitate imperii nostri. Kloster Nienburg an der Saale im Spiegel seiner Herrscherurkunden (10.–12. Jahrhundert)

 

2020, 416 Seiten, 57 Abbildungen, 18 Tabellen, 1 Karte, Festeinband, Indices, 24 x 32 cm;
ISBN: 978-3-938533-43-7

 

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